Das Runde muss ins Eckige

Mein Lieblingstrikot
Wir ihr schon wisst, sind wir alle große Fußball-Fans. Dabei bin ich vermutlich der größte kleine Fußball-Fan, den es gibt. Ich habe sogar drei Trikots, zwei Mützen und einen Schal. Das gehört zum richtigen Fan-Outfit einfach dazu. Schal und Mützen mussten allerdings andere Menschen stricken (Danke, Mama Moppel!), denn da Schatzi ist handarbeitstechnisch absolut unbegabt und kann nicht mal einen Knopf annähen oder Strümpfe stopfen. Okay, Strümpfe stopfen finde ich auch vollkommen unsinnig, aber wenn sie dem Moppel einen Knopf an die Backe nähen könnte, wäre das schon lustig. Aber dazu wird es also nicht kommen, genauso wenig wie zum Schal stricken. Aber das konnten wir ja zum Glück anders lösen.

 

Wie man Tore provoziert

Zurück zu meinem Lieblingssport. Wenn Fußball im Fernsehen läuft, sitze ich immer in der ersten Reihe, auch wenn die Übertragung bei Sky ist. Leider finden Schatzi-Moppel nicht alle Spiele interessant und Moppel schaltet auch manchmal einfach weg – natürlich genau in dem Moment, bevor ein Tor fällt oder etwas Spannendes (Pöbeleien, Prügeleien – ihr wisst, was ich meine) passiert. Moppel und ich hatten deshalb schon häufiger Streit. Im Grund ist das aber auch unser einziges Streitthema. Das Schatzi macht das schlauer. Sie geht ins Bad, um Tore zu provozieren. Mir gefällt das, denn ich sehe die Tore ja dann trotzdem und wie die Action entsteht, ist ja im Grunde zweitrangig.
Im Tore provozieren ist sie jedenfalls ein wahrer Meister. Und das nicht nur im Wohnzimmer, sondern auch im Stadion. Das beste Beispiel war ihr erstes Derby, also Gladbach gegen Köln, das sie am Karnevalssamstag 2015 live im Stadion gesehen hat. 90 Minuten ist im Grunde gar nichts passiert. Ein Spiel, wie es langweiliger nicht sein könnte. Dagegen wurden in sämtlichen anderen Stadien nahezu Tororgien gefeiert. Sie war also in der Nachspielzeit losgezogen und gerade auf der Toilette angekommen, als Jubel losbrach, weil ein Tor gefallen ist: Granit Xhaka in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Das einzige Tor der Partie. Schon bitter für sie, aber wir freuen uns immer noch, dass wir dank ihr, das Spiel gewonnen haben. Im Anschluss an das Tor haben einige überwiegend kostümierte Kölner den Platz gestürmt, sind quer über den Rasen zur Nordkurve gelaufen und haben versucht, die dort stehenden Fans zu provozieren, bis sie von Sicherheitsleuten festgenommen wurden. Auch davon hat das Schatzi natürlich nichts mitbekommen, weil sie zu früh gegangen ist. Sie stand draußen am Treffpunkt und hat sich gewundert, dass der Moppel nicht kam, aber der musste das Tor feiern und anschließend gebannt das irre Schauspiel der Kölner anschauen. Seither vermeidet das Schatzi es jedenfalls, während des Spiels ihren Platz zu verlassen, und sei das Spiel noch so langweilig und der Grund noch so dringend.
Mit Schatzi beim Spiel

Wie das Schatzi zum Fußball kam

Ich finde es auch immer noch lustig, wie das Schatzi zum Fußball-Fan geworden ist. Es ist nicht so, dass sie sich vorher nicht für Fußball interessiert hat, aber sie hatte jedenfalls keinen Lieblingsverein. Sie hat die EM und WM geschaut und auch ein bisschen die Bundesliga verfolgt, was Pflicht ist, wenn man in Stuttgart arbeitet. Man muss ja montags wissen, ob der Chef gute oder schlechte Laune hat. Aber eine Begeisterung für den VFB hat sich daraus einfach nicht entwickeln wollen.
Der Moppel hat sie dann am Anfang der Saison 2014/15 zum ersten Spiel (gegen Stuttgart, was ich in diesem Zusammenhang unbedingt bemerkenswert finde) mit ins Stadion genommen. So machen das alle Jungs aus seinem Fanclub mit ihren (neuen) Freundinnen, damit sie es blöd finden, nie wieder mitkommen wollen und die Jungs ihre Ruhe im Stadion haben. Leider oder zum Glück – das kann man sehen, wie man möchte – war das Schatzi vom ersten Moment an begeistert. Obwohl es im Stehplatz-Block eng ist und manchmal etwas rauer zugeht. Aber sie hat mitgefiebert, mitgesunden, mitgeklatscht und mitgejubelt oder mitgetrauert.
Danach hat sie sich für jedes Spiel der gerade begonnenen Saison eine Sitzplatz-Karte für die Nordkurve gekauft, um dabei zu sein und vielleicht ab und zu in den Block vom Moppel geschmuggelt werden zu können. In der darauffolgenden Saison hat sie dann ihre Sitzplatz-Dauerkarte in der Ostkurve ergattert. Da sitzt sie nun auf ihrem Logenplatz und kann dem Moppel zuwinken, während er sich in der Nordkurve die Beine in den Bauch steht, aber zumindest zumeist trocken bleibt. Immerhin haben sie so ein gemeinsames Hobby, aber jeder hat seine Ruhe während des Spiels, kann pöbeln, Bier trinken oder was auch immer man da so tut und danach mit dem anderen jubeln oder weinen.

 

Unser zweites Wohnzimmer

Der Borussia Park
 Das Schatzi hat aber auch einen echt tollen Platz. Sie sitzt nahe der Mittellinie gegenüber der Trainerbank in der dritten Reihe. Von dort hat sie einen sehr guten Blick auf den Ausgang vom Spielertunnel und die Reservebank und kann sehen, wer als nächstes eingewechselt wird. Es ist ein teurer Platz, aber man hat eine geniale Sicht und man ist oft im Fernsehen. Ich hoffe immer, dass sie mich mal in die Fernsehkamera hält, wenn gerade vor ihr fernsehwürdige Action ist. Das wäre doch mal was: Grobi im Fernsehen… Ach, Moment, das gab es ja schon.
Einziger Nachteil an diesem Platz ist, dass er nicht überdacht ist. So wird sie im Sommer (manchmal auch im Herbst – der Klimawandel, ihr kennt das) ordentlich gegrillt, im Winter eingeschneit und wenn es regnet durchaus auch richtig nass. Dafür hat sie sich aber ein farblich passendes (sprich grünes) Regencape gekauft und kann inbrünstig mitsingen \“Wenn wir zusammen in der Kurve stehen, bei Regen, Schnee und Sonnenschein…\“
Im Stadion 2017 – gegen RB Leipzig
Schatzis Sitznachbarn sind auch super. Der eine hat mir sogar eine Autogrammkarte von meinem Lieblingsspieler besorgt: Granit Xhaka. Der war zwar etwas verwundert, welcher komische Mensch, denn Grobi heißt, aber für ein Monster finde ich das ganz passend. Da er mich nicht kannte, durfte er das auch komisch finden. Leider hat uns ja Granit Xhaka am Ende der Saison 2015/16 verlassen und ich muss mir einen neuen Lieblingsspieler suchen. Darüber muss ich aber nach wie vor noch nachdenken. Es gibt eben nur einen Granit Xhaka. Das Schatzi steht auf Raffael und hat von diesem über ihren Sitznachbarn bzw. meinem Granit Xhaka eine Autogrammkarte bekommen. Beide (Autogrammkarten, nicht Spieler) stehen im Bücherregal und werden regelmäßig fröhlich angeschaut.
Dieser Sitzplatz vom Schatzi hat aber noch einen weiteren Vorteil: Wenn mich mal jemand mit ins Stadion nimmt, dann meistens das Schatzi. Im Sitzplatzbereich ist es nicht so gefährlich für mich wie auf den billigen (Steh-)Rängen beim Moppel und ihre Sitznachbarn haben mich auch gerne. Sie fragen sogar nach mir, wenn ich nicht dabei bin. Ich finde das wirklich sehr aufmerksam. Das Schatzi hat mir sogar einen Regenmantel gekauft, damit ich auch nicht nass werde. Leider nicht wirklich in den Vereinsfarben, aber bestenfalls werde ich darin nicht nass.

 

#borussiaauswaerts

Besonders lustig sind auch immer die Auswärtsfahrten. Unser Verein ist zwar auswärts nicht immer so erfolgreich, aber die Stimmung ist trotzdem gut und die Fahrten machen Spaß. Sofern es eine Übernachtung gibt, darf ich auf den Trip immer mit und manchmal auch ins Stadion. So war ich z.B. schon in Valencia, München, Freiburg, Barcelona und Florenz, mal mit, mal ohne Stadion für mich.

Ich hoffe jedenfalls, dass mich Schatzi-Moppel auch weiterhin mit ins Stadion nehmen. Wenn sie mich nicht mitnehmen, kann ich das Spiel ja nicht live schauen und bekomme danach immer nur eine Zusammenfassung gezeigt. Das ist aber einfach nicht das Gleiche. Und wie man den Fernseher anschaltet, habe ich leider noch nicht herausgefunden.

Warum ich auswärts nicht immer dabei sein darf – hier in Florenz

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