Flusen sind Macht

Das ist ja bekannt. Oder sollte es zumindest sein. Es ist eine ganz einfache Formel: 
Flusen = Macht
Mehr Flusen = mehr Macht

Leider ist das Schatzi da ganz anderer Meinung. Sie sagt, Flusen seien schlecht für mein Fell und deshalb spielt sie ständig dieses Entflusungsspiel mit mir, das ich so gar nicht mag. Sie sitzt dann da, zupft mir die Flusen vom Fell und meint, sie würde mir damit etwas Gutes oder gar keinen Gefallen tun. Dabei habe ich diese Flusen hart erarbeitet. Das Sammeln von Flusen ist nämlich (m)eine Lebensaufgabe, natürlich insbesondere, wenn man mit einem gemeinen Flusendieb wie dem Schatzi zusammen wohnt. Das Schlimme ist, sie will sie ja gar nicht für sich selbst haben. Sie erkennt einfach den besonderen Sinn und Wert der Flusen nicht, zupft sie von mir ab und wirft sie weg.

Jedenfalls bin ich eine große Zeit des Tages damit beschäftigt, die Kuschelbande und die Wohnung nach geeigneten Flusen abzusuchen. Denn es ist zwar so, dass Flusen Macht sind, aber nicht alle Flusen sind tatsächlich hierfür geeignet. Da muss man schon einiges wissen und sehr sorgfältig auswählen. Das zu erklären, würde jetzt aber zu weit führen und diejenigen, die die genauen Hintergründe nicht wissen möchten, möchte ich auch damit nicht langweilen. Falls sich genug Interessenten finden, werde ich irgendwann die Flusologie als Studiengang anbieten. Dozent: Prof. Dr. Grobi. Klingt gut, oder? Einstweilen müsst ihr euch nur merken, dass Flusen Macht sind. Man kann es nicht oft genug wiederholen.

Flusen sammeln

Das gemeine Schatzi hat neben dem Entflusungsspiel noch ein anderes (viel schlimmeres) Spiel erfunden, um den Flusen zu Leibe und damit auch mir auf den Pelz zu rücken. Sie nennt es waschen. Ich nenne es Folter. Daher wehre ich mich immer mit Händen und Füßen dagegen und meistens bleibe ich auch tatsächlich verschont. Sie hat nämlich wirklich total Angst, dass ich kaputt gehe und weiß, dass auch waschen nicht besonders gut für mein empfindliches Fell ist. Eigentlich müsste ich permanent einen Umhang oder ähnliches tragen, der mich beschützt. Das macht aber das Flusensammeln schwieriger, sodass man dies gut abwägen muss. Derzeit trage ich einen grauen Kapuzenpulli, den ich zu Weihnachten geschenkt bekommen habe und unter dem man ganz hervorragend Flusen verstecken kann.

Ich mit Pulli, Mütze und Schal
 Zuletzt stand solch eine eben erwähnte rituelle Waschung vor der Hochzeit im Juni 2016 an. In diesem Zusammenhang konnte ich es ja sogar noch verstehen, weshalb ich schließlich zugestimmt habe. Aber nicht ohne vorher heftig zu protestieren und schließlich noch andere Kuscheltiere mit hineinzuziehen. Mitgegangen, mitgefangen. So mussten sich also alle (meine) Hochzeitsgäste – ob die Gäste von Schatzi-Moppel ordentlich gewaschen waren, kann und will ich nicht beurteilen – einer solchen Reinigung unterziehen. Das gab am Anfang von allen ziemlich Proteste, aber da sie dann doch gerne dabei sein wollten, haben sie sich meiner Bitte gefügt und dem Schatzi den Spaß am Waschen gelassen. Es schien fast, als hätte der eine oder andere selbst Spaß daran. Das haben sie aber später vehement geleugnet.

Da wir alle so empfindlich sind und die Waschmaschine doch eine unangemessene Härte darstellt, erfolgte die Reinigung wie immer per Handwäsche. Das Schatzi hat uns also alle in einen großen Wäschekorb, der mit einem weichen Handtuch ausgelegt war, gepackt und ins Bad getragen. Dort hatte sie ein Schaumbad eingelassen, in das wir aber glücklicherweise nicht geworfen wurden. Ich hasse Wasser. Außer, ich kann niedlich davor lächeln und werde fotografiert. Das war hier aber definitiv nicht der Fall.

Der Monster-Waschlappen

Wir wurden dann alle nacheinander mit einem weichen Waschlappen mit Monsteraufdruck gewaschen. Dieser Waschlappen wurde eigens für die Monsterpflege angeschafft, was schon recht süß ist. Das Schatzi war auch sehr sanft und einfühlsam, sodass das Gewaschen-Werden eigentlich gar nicht so schlimm war, aber ich habe trotzdem theatralisch gestöhnt und gejammert, damit nicht der Eindruck entsteht, ich fände es gar nicht so schlimm und sie könne das häufiger machen. So weit kommt es noch!

Gemeinsames Trocknen nach dem Waschgang

Glücklicherweise haben wir alle das Waschspiel unbeschadet überstanden, haben bei der Hochzeit blendend ausgesehen und können uns jetzt damit herausreden, dass wir nun verheiratet sind und weitere Waschorgien daher nicht mehr notwendig sind. Ich finde das ziemlich clever, befürchte aber, dass wir nicht ewig damit durchkommen werden.

Hinterlasse einen Kommentar