Mein zweites Buch: Bi-Ba-Butzele

Inzwischen ist es schon über einen Monat her, dass ich mein zweites Buch veröffentlicht habe:

Titelblatt Taschenbuch

Wie ihr auf dem Titelblatt unschwer sehen könnt, hat Grobi einen Platz in der Geschichte bekommen und sich aufs Titelbild gemogelt. Ich finde, da passt er richtig gut hin 🙂

Nachfolgend findet ihr ein paar Links für den Bezug des Taschenbuches:

https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1066111325

https://www.hugendubel.de/de/buch_kartoniert/elke_eike-bi_ba_butzele-44221631-produkt-details.html

Außerdem ist das Taschenbuch im Buchhandel bestellbar.

Das eBook könnt ihr z.B. hier erhalten:

https://www.kobo.com/de/de/ebook/bi-ba-butzele

https://www.weltbild.de/artikel/ebook/bi-ba-butzele_38853523-1?rd=1

https://www.buecher.de/go/products_products/detail/isbn/9783756527366/

https://www.hugendubel.de/de/ebook_epub/elke_eike-bi_ba_butzele-44153595-produkt-details.html

Die Buchbeschreibung seht ihr zwar schon auf dem Titelblatt, aber nachstehend nochmal zur besseren Lesbarkeit:

Während Leonie versucht, ihr Leben zwischen Teilzeitjob und Baby zu meistern, verschwindet ihr Lieblingsnachbar spurlos. Einige Tage später wird er tot aufgefunden. Halb aus Neugier, halb aus Hilfsbereitschaft lässt sich Leonie in die Klärung der Frage hineinziehen, was ihm zugestoßen sein könnte. Wird sie erkennen, welche Konsequenzen ihre Schnüffelei für sie und ihr Baby haben kann, bevor es zu spät ist?

Und zum Schluss erhaltet ihr einen kleinen Auszug aus meinem zweiten Buch:

1
Freitag, 22. März

„Sag mal, was hast du denn da bestellt?“, rief Marco, während er die Wohnungstür hinter sich schloss.

Statt einer Antwort gab Leonie ein „Ssschsssch“ zurück. Jonas war gerade eingeschlafen und dieser Moment war immer besonders heikel.

Mit einem Seitenblick in seine Babywippe, für die er schon bald zu groß sein würde, vergewisserte sie sich, dass er nach wie vor schlief, und ging hinüber in den Flur. Marco gab ihr einen Kuss auf die Wange und nickte noch einmal zu dem mysteriösen Paket, das Leonie etwas ungeschickt im Flur hatte liegen lassen. Es war nicht besonders groß, aber die Art der Verpackung wirkte irgendwie merkwürdig, denn es war mit viel zu viel Klebeband umhüllt worden und sah auch ein bisschen windschief aus.

„Das habe ich heute Vormittag für Wolfgang angenommen, aber er hat es noch nicht abgeholt“, klärte Leonie ihn über die Umstände des Pakets auf. „Eigentlich bin ich auch ganz froh darüber, dass seither niemand geklingelt hat, denn heute ist Jonas wirklich anstrengend.“ Genervt rollte Leonie mit den Augen und fügte noch hinzu: „Es war ein langer Kampf, aber jetzt schläft er endlich.“

Marco zog sie in eine Umarmung und streichelte ihr über den Rücken. Er wusste, wie schwierig es manchmal für Leonie mit dem quirligen Baby war. Im Grunde entsprach sein Charakter aber nur dem seiner Mutter. Beide waren extrem neugierig und immer in Bewegung. Nach einigen Sekunden entspannte sich Leonie in Marcos Armen und lächelte an seiner Schulter.

„Magst du einen Kaffee?“, fragte sie in seinen Pullover hinein.

„Unbedingt“, gab Marco zurück und ließ sie los.

Während Leonie in die Küche ging, streifte Marco seine Schuhe im Flur ab, dann folgte er ihr in die kleine Küche, die gerade genug Platz für die Küchenzeile sowie einen Tisch, zwei Stühle und Jonas‘ Hochstuhl bot. Es war kurz nach halb drei und nach der langen Gerichtsverhandlung am Vormittag wirkte Marco ein wenig geschafft.

„Bist du fertig für heute?“, erkundigte sich Leonie, nachdem sie die Kaffeemaschine in Gang gebracht hatte.

Marco nickte. „Ja. Wobei jein. Ich muss noch ein Telefonat führen und eine E-Mail schreiben. Mit beidem kann ich aber warten, bis Jonas wieder wach ist.“

„Das wäre super!“ Leonie zog die volle Tasse unter der Maschine hervor und stellte sie vor Marco auf den Küchentisch. Anschließend platzierte sie eine weitere Tasse darunter und startete die Maschine erneut. Als auch der zweite Kaffee durchgelaufen war, setzte sie sich zu Marco an den Tisch. Vorsichtig stellte sie die volle Tasse ab, lehnte sich erschöpft gegen die Stuhllehne und schloss kurz die Augen.

„So schlimm?“, fragte Marco, doch Leonie winkte ab. „Eigentlich nicht. Aber Jonas war heute Morgen der Meinung, er müsste das Bücherregal ausräumen, während ich eine Online-Präsentation gehalten habe. Meine Ermahnungen haben den Kunden – sagen wir mal – ein bisschen irritiert.“ Jetzt musste sie doch lachen. „Stell dir vor, der Kunde hieß Jonas mit Vornamen, das war mir aber irgendwie nicht bewusst. Ich habe also ganz seriös mit ihm das Layout für den Flyer besprochen und zwischendurch ‚Jonas, lass bitte die Bücher stehen‘ gesagt. Und der Kunde hat sich einfach kaputtgelacht.“ Marco grinste nun ebenfalls.

„Aber du hast die Präsentation trotzdem noch halbwegs ordentlich zu Ende gebracht, oder?“, hakte er nach.

„Klar. Ich bin die Seriosität in Person. Weißt du doch!“ Leonie kicherte. „Nein, im Ernst, dem Kunden hat der Entwurf gut gefallen und das Ganze kann so in den Druck gehen. Ist alles schon veranlasst.“ Sie griff nach ihrer Tasse und lächelte.

Dass sie ihren Job während der Elternzeit in Teilzeit größtenteils von zu Hause ausüben konnte, war sehr hilfreich. Sie arbeitete in einer Werbeagentur mit angeschlossener Druckerei, die Marcos bestem Freund Stefan Bachmann gehörte. Allerdings hatte sie den Job schon länger, als sie Marco kannte, und diesen durch die Vermittlung ihres Chefs kennengelernt. Sie arbeitete sehr gerne für die Agentur und ohne den Zuverdienst in der Elternzeit, der aktuell immerhin zwanzig Stunden pro Woche auf Vertrauensbasis betrug, hätte sie sich vermutlich die Wohnung nicht mehr leisten können. Und an dieser Wohnung hing Leonie sehr. Mittlerweile war es schon fast sieben Jahre her, dass sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann Miguel hier eingezogen war. Sie waren in dieser Wohnung sehr glücklich gewesen. Aber dann war Miguel im vorletzten Sommer von seinem Vorgesetzten, Dominik Kanthäuser, umgebracht worden, und auch Leonie war ihm nur mit Mühe und der Hilfe ihres Nachbarn Wolfgang entkommen.

Im Krankenhaus nach Kanthäusers Überfall auf sie war festgestellt worden, dass Leonie schwanger war. Miguels Sohn Jonas war vor knapp elf Monaten auf die Welt gekommen. Er sah Miguel sehr ähnlich mit seinen braunen Augen, braunen Locken und der niedlichen Stupsnase, hatte aber von Leonie das Wesen eines Wirbelwinds geerbt. Marco hatte sie damals als Rechtsanwalt im Mordprozess gegen Kanthäuser vertreten. Aus der Mandantenbeziehung war im Laufe der Zeit eine Freundschaft geworden. Schließlich hatten sich beide ineinander verliebt. Marco war während der schwierigsten Phase ihres Lebens für sie da gewesen und kümmerte sich nicht nur liebevoll um Leonie, sondern auch um Jonas. Inzwischen waren sie seit gut einem Jahr ein Paar. Obwohl Leonie ihren Miguel nach wie vor schrecklich vermisste, hatte sie mithilfe von Marco wieder zu ihrer alten Form zurückgefunden und empfand wieder Freude am Leben.

Während sie ihren Kaffee tranken, erzählte Marco kurz von seiner Gerichtsverhandlung am Vormittag, in der es um einen äußert uneinsichtigen Ladendieb gegangen war. Danach überlegten sie, was sie mit dem Wochenende anfangen sollten. Es war Ende März und in der letzten Zeit ziemlich ungemütlich draußen. Regen, Schnee und Sturm schienen sich seit Tagen abzuwechseln und die Temperaturen kamen kaum über den Gefrierpunkt hinaus. Leonie hatte in der vergangenen Woche ihren 27. Geburtstag gehabt und der ursprüngliche Plan, mit Jonas und seinen Großeltern als kleine Feier ihres Ehrentages in die Wilhelma zu gehen, schien gerade nicht mehr besonders attraktiv. Eigentlich hatte Leonie große Lust auf den beliebten Stuttgarter Zoo, in dem sie schon viel zu lange nicht mehr gewesen war. Aber zumindest ein bisschen frühlingshaftes Wetter wäre dafür schon wünschenswert.

In ihre Überlegungen hinein begann Leonies Handy zu vibrieren. Seit Jonas auf der Welt war, war es dauerhaft auf Vibration gestellt, um den Kleinen bloß nicht zu wecken, wenn er eine seiner seltenen Schlafphasen hatte. Als Anrufer auf dem Display stand der Name von Miguels Mutter Carmen. Leonie hatte nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis zu Miguels Eltern. Daran hatte sich auch durch seinen Tod nichts geändert und die beiden liebten ihren Enkelsohn sehr.

„Hallo Carmen“, meldete sich Leonie fröhlich.

„Hallo Liebes. Wie geht es euch?“ Carmen sprach wie immer mit einem leichten spanischen Akzent, der auch nach den vielen Jahren, die sie nun schon in Deutschland lebte, untrennbar zu ihr gehörte. Carmen war Spanierin und unterrichtete als Lehrerin an einem Vaihinger Gymnasium, Miguels Vater Raphaël war Franzose und betrieb ein kleines französisches Restaurant in Vaihingen, mit dem Leonie viele schöne Erinnerungen verband. Insbesondere die Hochzeit mit Miguel hatte sie dort gefeiert.

„Gut“, erwiderte Leonie, „wir überlegen gerade, was wir wegen des eher schlecht angesagten Wetters statt der Wilhelma morgen zusammen machen könnten.“

„Ah, sehr gut. Deshalb rufe ich an.“ Carmen machte eine kleine Pause, in der sie den Geräuschen nach zu urteilen eine Tür schloss. „Weißt du, Raphaël ist gestern gestürzt. Er würde es nie zugeben, aber ich glaube, ein Zoobesuch ist gerade das Letzte, was er brauchen kann.“

„Oh, nein!“, rief Leonie in unterdrücktem Ton aus. „Ist er schlimm verletzt?“

Carmen schwieg einen Moment, bevor sie sagte: „Du weißt ja, wie er ist. Wenn du ihn fragst, ist alles in bester Ordnung. Aber wenn man genauer hinschaut, ist es das eben nicht. Er ist im Restaurant auf dem Rückweg in die Küche mit einem Stapel leerer Teller in der Hand über ein Stuhlbein gestolpert. Weil er die Hände voll hatte, konnte er sich nicht abfangen und ist ziemlich ungeschickt aufgeschlagen. Ich denke, er hat sich das Knie geprellt und den Arm verdreht. Wenn es am Montag nicht besser ist, werde ich ihn zum Arzt schleifen, ganz egal, ob er will oder nicht!“

Ihr Ton klang bestimmt und Leonie konnte sich lebhaft vorstellen, wie ihre resolute Schwiegermutter ihren Ehemann auch gegen seinen Willen zum Arzt bringen würde. Allerdings war das wirklich kein Zustand, in dem Raphaël stundenlang durch die Wilhelma laufen sollte.

Bevor Leonie etwas erwidern konnte, ergriff Carmen wieder das Wort: „Jedenfalls hatte ich überlegt, ob ihr nicht vielleicht zu uns kommen wollt und wir im Restaurant gemeinsam Kaffee trinken. Ich könnte Kuchen backen und dann können wir hier gemütlich sitzen. Raphaël öffnet samstags sowieso immer erst abends. Und bei dem Wetter kommen auch abends eher wenig Gäste. Wir hätten also Zeit und Platz.“

Die Idee gefiel Leonie. Ihre Wohnung war ohnehin zu klein für mehr als drei Leute und so würden sie zumindest mal rauskommen. Und Raphaëls kleines, aber sehr gemütliches Restaurant eignete sich ganz hervorragend für eine solche Feier.

„Ja, sehr gerne“, sagte sie deshalb. „Soll ich meine Mutter auch anrufen?“

„Nicht nötig, ich kümmere mich darum, wenn ihr mit der Idee einverstanden seid“, gab Carmen zurück. „Es reicht, wenn du Jonas und Marco mitbringst.“ Leonie stimmte zu und sie vereinbarten, sich gegen 15 Uhr im Restaurant zu treffen. Außerdem versprach Leonie sich zu melden, sobald sie und ihre Männer sich am Samstag auf den Weg machen würden. Aufgrund von Jonas‘ unberechenbaren Mittagsschlafgewohnheiten war es nicht so einfach, eine genaue Uhrzeit festzulegen. Aber das Thema kannte ihre Schwiegermutter schon und es war für sie kein Problem.

Carmen verabschiedete sich und legte auf. Nachdem Leonie ihr Handy auf den Tisch gelegt und einen großen Schluck aus ihrer Tasse getrunken hatte, gab sie den Plan an Marco weiter. Leonie war unheimlich froh, dass ihre Schwiegereltern kein Problem mit dem neuen Mann in ihrem Leben hatten. Es war Leonie nach Miguels Tod ganz und gar nicht leichtgefallen, sich ihre Liebe zu Marco einzugestehen. Anfangs hatte sie richtiggehend ein schlechtes Gewissen gehabt. Aber sowohl ihre Mutter Margret als auch Miguels Mutter hatten sie ermutigt, ihr Leben weiterzuleben und glücklich zu sein. Deshalb hatte sie schließlich in ein Date mit Marco eingewilligt und schon nach kurzer Zeit waren sie zusammengekommen. Die Chemie zwischen ihnen beiden stimmte einfach. Das erste Date war inzwischen schon über ein Jahr her und Leonie bereute diese Entscheidung keinen einzigen Tag.

Auch wenn beide nach wie vor getrennte Wohnungen hatten, verbrachten sie möglichst viel Zeit miteinander und Marco war ein guter Ersatzvater für Jonas. Selbstverständlich hatten sie schon mehrfach über eine gemeinsame Wohnung gesprochen, aber zum einen fiel es Leonie schwer, sich von ihrer Wohnung zu trennen, und zum anderen war der Stuttgarter Wohnungsmarkt auch so eine Sache für sich. Die inserierten Wohnungen waren entweder bezahlbar, aber furchtbar oder sie sahen gut aus, lagen aber weit über ihrem Budget.

Da Marco selbst nur eine kleine Einzimmerwohnung in Stuttgart-West hatte, verbrachten sie die gemeinsame Zeit in Leonies Wohnung in Stuttgart-Botnang. Leonies Wohnung war zwar ebenfalls nicht riesig, aber immerhin hatte sie zwei Zimmer und war direkt am Kräherwald.

Während Leonie noch über ihre aktuellen Lebensumstände sinnierte, hörte sie Geräusche aus dem Wohnzimmer, die kurze Zeit später in Gequengel übergingen und schließlich zu lautstarkem Weinen anschwollen. Marco legte seine Hand auf Leonies und stand auf. Er ging hinüber ins Wohnzimmer und sie hörte, wie er beruhigend mit Jonas sprach. Der Kleine quietschte schon einen Moment später wieder vergnügt und gleich darauf stand Marco mit Jonas im Arm im Türrahmen. Beide grinsten von einem Ohr zum anderen.

„Was habt ihr angestellt?“, fragte Leonie sofort.

„Nichts!“, sagte Marco mit einem Augenzwinkern. Jonas grinste dazu etwas schief, wobei er noch leicht schlaftrunken wirkte. Lachend streckte Leonie die Arme aus und nahm Jonas in Empfang. Ihr Baby war inzwischen gar nicht mehr so klein, kuschelte sich aber immer noch liebend gerne an sie. Bisher brachte er nur wenige eher unverständliche Worte zustande und schien sich mehr auf die ersten Gehversuche zu konzentrieren. Leonie empfand die Entwicklung, die er gerade durchmachte, als besonders spannend. An manchen Tagen schien er tausend Dinge gleichzeitig zu lernen, an anderen klappte plötzlich gar nichts mehr.

„Komm“, sagte sie, während sie aufstand. „Wir spielen ein bisschen im Wohnzimmer und lassen Marco noch etwas arbeiten.“ Im Vorbeigehen küsste sie Marco auf die Wange, der dankbar lächelte und sogleich seinen Laptop aus dem Flur holte. Leonie hörte, wie er die Küchentür schloss und kurz darauf mit jemandem telefonierte.

Sie ließ sich mit Jonas auf den Wohnzimmerfußboden nieder. Gemeinsam schoben sie Spielzeugautos über seinen Spielteppich mit Straßenaufdruck. Jonas krabbelte dabei die ganze Zeit hin und her, während Leonie vor allem dasaß und ihn betrachtete. Sie wollte auf keinen Fall einen seiner Entwicklungsschritte verpassen. Er war in letzter Zeit wirklich groß geworden.

Eine Weile später, inzwischen war es schon kurz nach 17 Uhr, betrat Marco das Wohnzimmer.

„Wochenende!“, teilte er fröhlich lächelnd mit und hockte sich zu Leonie und Jonas auf den Fußboden, wo er ebenfalls nach einem Spielzeugauto griff. Für einige Minuten spielten sie einträchtig mit den Autos, bis Leonies Magen unvermittelt in voller Lautstärke knurrte. Jonas spitzte sofort die Ohren und Marco lachte.

„Hast du heute das Mittagessen ausfallen lassen oder was ist da los?“, fragte er und stupste sie in den Bauch. Leonie, die am Bauch sehr kitzlig war, wehrte die Attacke geschickt ab. Dann stutzte sie.

„Stimmt. Ich habe zwar Jonas was zum Mittagessen gemacht, aber selbst gar nichts gegessen. Oha.“

„Dagegen lässt sich ja etwas tun“, sagte Marco, während er schon aufstand und in die Küche ging. Nur einen Moment später kam er mit dem Flyer von Giovannis Pizzeria in der Hand zurück. Es war sehr praktisch, dass Giovanni, der Inhaber ihrer Lieblingspizzeria, die fußläufig von ihrer Wohnung aus erreichbar war, inzwischen auch Gerichte zum Abholen anbot und das bereits ab 17 Uhr. Leonie streckte die Hand aus und griff nach dem Flyer. Eigentlich wusste sie ohnehin, was sie essen wollte, aber es konnte ja nicht schaden, noch einmal nachzuschauen.

Als sie Marco den Flyer nach kurzem Durchblättern zurückgab, fragte dieser nur „Wie immer?“ und sie nickte. Marco wählte die Nummer der Pizzeria und bestellte eine Pizza Parma und eine Pizza Rucola zum Mitnehmen, wobei er außer der Bestellung noch einige Scherze mit Giovanni austauschte. Nachdem er aufgelegt hatte, sagte er: „Ich kann die Pizza in 20 Minuten abholen. Wollt ihr mitkommen?“

Leonie schaute erst aus dem Fenster, danach zu Jonas und beschloss, dass es eine gute Idee wäre, zumindest noch ein paar Minuten an die frische Luft zu gehen. Es dämmerte zwar sicher bald, aber es schien trocken zu sein. Ein wenig umständlich stand sie auf und erklärte Jonas, dass sie einen kleinen Ausflug machen würden. Das Wort Ausflug verstand er schon ganz hervorragend und quittierte es immer mit einem Jubelschrei. Problemlos ließ er sich hochziehen und in den Flur tragen.

Nach kurzer Zeit waren alle drei fertig angezogen und Jonas bei Marco im Tragetuch verstaut. Ohne es näher abzusprechen, liefen sie in den Kräherwald hinein, wählten den Weg aber so, dass sie nach etwa einer Viertelstunde bei Giovanni an der Pizzeria ankamen. Der Inhaber begrüßte alle drei freudestrahlend und tätschelte Jonas die Wange, der dazu fröhlich quietschte. Nachdem sie die Pizza bezahlt hatten, machten sie sich wieder auf den Heimweg. Diesmal nahmen sie den kürzesten Weg und erreichten schon wenig später wieder das Haus, in dem Leonie wohnte.

Als sie im Eingangsbereich nach ihrer Post schaute, stellte Leonie ein wenig überrascht fest, dass der Briefkasten ihres Nachbarn Wolfgang, der neben ihrem eigenen war, nahezu überquoll. Mehrere Sendungen, insbesondere Werbung, schauten aus dem Briefschlitz heraus, sodass nichts weiter hineinpasste.

„Das ist aber merkwürdig“, bemerkte sie etwas irritiert. „Wolfgang hat mir gar nicht Bescheid gesagt, dass er wegfährt. Sonst macht er das doch immer, damit ich seine Blumen gieße und seine Post reinnehme. Ich schreibe ihm nachher mal eine Nachricht. Vielleicht hat er es nur vergessen.“

Oben in der Wohnung angekommen, machten sie es sich mit der Pizza auf der Couch gemütlich. Als Jonas später ständig die Augen zufielen, brachte Marco ihn ins Bett. Jonas‘ Kinderbett stand bei Leonie im Schlafzimmer, für ein eigenes Zimmer war kein Platz in der Wohnung. Es dauerte geraume Zeit, bis Marco zurück ins Wohnzimmer kam. Währenddessen hatte Leonie die Pizzakartons weggeräumt und Tee gekocht. Außerdem hatte sie Wolfgang eine Nachricht wegen des Pakets und des überquellenden Briefkastens geschrieben.

„Der kleine Racker wollte wieder nicht schlafen, obwohl er vorher so müde war“, sagte Marco und verdrehte die Augen wie Leonie es auch immer tat. Leonie grinste und fragte: „Aber jetzt schläft er?“

Während Marco das Babyphone auf den Tisch stellte, sagte er nickend: „Ich habe gewonnen!“ Dann ließ er sich neben ihr auf die Couch fallen und schlang die Arme um sie.

„Endlich hab‘ ich dich für mich“, murmelte er an ihrer Schulter, wobei er ohne Vorwarnung begann, sie stürmisch zu kitzeln. Vor Überraschung hatte Leonie Mühe, sich gegen die spielerischen Attacken zu verteidigen.

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