Buchrezension: Greta Herrlicher – Der Sommer unseres Lebens

Irgendwie hatten mich Titel und Cover angesprochen und bevor ich richtig den Klappentext lesen konnte, hatte ich mich auch schon für das Rezi-Exemplar angemeldet. Was mich erwartet hat? Ein komplettes Gefühlschaos. Aber der Reihe nach.

Darum geht’s

Drei Freunde, drei Leben, ein Schicksal. Alles ist mit allem verbunden. Britta, Pia und Martin waren innige Freunde in ihrer Kindheit und Jugend und begegnen sich nun 20 Jahre später wieder. Pia kehrt nach 20 Jahren in ihre Heimatstadt zurück. Sie hat Krebs im Endstadium und will sich ihrer Lebenslüge stellen. Vor langer Zeit ist sie ganz plötzlich aus der Stadt verschwunden. Britta ist schwanger von ihrer verheirateten Langzeitbeziehung und steht vor einer schwerwiegenden Entscheidung. Als sie wegen ihres dementen Vaters in ihre Heimatstadt gerufen wird, ist dieser nicht die einzige Herausforderung, die sie meistern muss. Sie allein kennt den Grund für Pias Verschwinden damals. Martin, der als Einziger in der Heimat geblieben ist und sich mit seinem Leben arrangiert hat, findet im Bürgerbüro einen Flyer, dessen Foto eine verblüffende Ähnlichkeit mit seiner nach dem Abitur verschwundenen Freundin Pia hat. Sie waren beste Freunde, Wegbegleiter, Verbündete. Doch dann ist etwas passiert, das ihre Freundschaft sprengte. Nun endlich kommt alles ans Licht.

(Buchbeschreibung von Amazon)

Mein Fazit

Zunächst habe ich schon lange kein Buch mehr gelesen, das derart schön mit Sprache spielt. Die Worte formen häufig Bilder und machen Gedanken und Gefühle nahezu greifbar. Es ist ein bisschen wie Lyrik in einem Roman versteckt. Richtig schön 😊

Auch die Geschichte hat mich unheimlich gefesselt. Die Leben von Pia, Martin und Britta, die in ihrer Kindheit und Jugend so enge Vertraute waren, sind vollkommen unterschiedlich verlaufen und nun treffen die drei nach 20 Jahren wieder aufeinander, zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020.

Was die drei Freunde getrennt voneinander erlebt haben und wie sie alle durch die gemeinsame Vergangenheit noch immer verbunden sind, ist spannend zu erfahren. Wir sehen die Geschehnisse der Gegenwart und erhalten immer wieder Einblicke in die Vergangenheit.

Dabei schreckt Greta auch vor schwierigen und ernsten Themen nicht zurück, wobei sie diese sehr einfühlsam darstellt. Pia ist unheilbar an Krebs erkrankt. Brittas Vater ist dement und rutscht stetig weiter in seine eigene Welt ab. Britta selbst ist schwanger und nicht mit dem Vater zusammen, was einige Probleme mit sich bringt. Das Verhältnis von Martin und seiner Mutter ist geradezu toxisch. Und dann noch die Pandemie, die damals das Leben ohnehin schon auf den Kopf gestellt hat.

Selten hat mich ein Buch so berührt, so persönlich getroffen und zum Nachdenken gebracht, wie „Der Sommer unseres Lebens“. Ich habe zwei Menschen im Umfeld, die dement sind bzw. waren und weiß, dass jede Demenz anders ist. Trotzdem hat Greta die Krankheit unheimlich gut eingefangen. Der Krebs ist in unserem Leben allgegenwärtig und auch Corona wird uns nicht mehr verlassen.

Dazu kommt, dass auch ich (wie wohl jede*r) Freundschaften in Kindheit und Jugend hatte, die über die Jahre zerbrochen sind. Gedanken daran drängen sich unweigerlich auf und beschäftigen mich sicher noch eine ganze Weile.

Dieses Buch über Freundschaft und Liebe, über das Leben und den Tod, über falsche und richtige Entscheidungen und Menschen, die für immer einen Platz in unserem Herzen haben werden, ist etwas ganz Besonderes. Es kommt nicht ohne Triggerwarnung aus, aber wenn man sich darauf einlassen kann, begibt man sich auf eine tiefgründige Reise, die sich wirklich lohnt.

⭐⭐⭐⭐⭐

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